Gesunde Arbeitswelten im demografischen Wandel - ZukunftsfÀhige Klein- und Mittelbetriebe durch regionale Vernetzung

Klassifikation
Dimension Wert
Personendisziplinen
  • Soziologie
  • Fördernde Institutionen
  • Sonstige: Bertelsmann Stiftung, Hans-Böckler-Stiftung, Bundesanstalt fĂŒr Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
  • Typ des Forschungsergebnisses
  • Sonstige: Bedarfsanalyse, Konzepterstellung
  • Veröffentlichungsmedien der Ergebnisse
  • Wissenschaftliche Veröffentlichungen
  • Ausgangspunkt des Vorhabens sind kritische Befunde der gemeinsamen Expertenkommission von Bertelsmann Stiftung und Hans-Böckler-Stiftung zur "Zukunft einer zeitgemĂ€ĂŸen betrieblichen Gesundheitspolitik". Diese betreffen den Zustand des Arbeits- und Gesundheitsschutzes in Klein- und Mittelbetrieben (KMU) sowie die Ineffizienzen, die aus der Zersplitterung der ĂŒberbetrieblichen Akteure im Arbeits- und Gesundheitsschutz resultieren. Angesichts der Herausforderungen, die der demografische Wandel stellt, ist es das Ziel des Vorhabens, in KMU einer modernen betrieblichen Gesundheitspolitik zum Durchbruch zu verhelfen.

    Kontext
    Die Expertenkommission der Bertelsmann Stiftung und der Hans-Böckler-Stiftung fordert einen "Einstieg in eine zukunftsfĂ€hige betriebliche Gesundheitspolitik". ZukunftsfĂ€hig ist fĂŒr die Kommission eine Gesundheitspolitik, die die "Kultur der Reparatur und Kompensation" hinter sich lĂ€sst und stattdessen die PrĂ€vention ins Zentrum stellt, die Gesundheitsverantwortung auf allen betrieblichen Hierarchieebenen fördert und sie in die betrieblichen Routinen integriert und eine ĂŒberbetriebliche Infrastruktur aufbaut, um die Unternehmen bei der Wahrnehmung ihrer Gesundheitsverantwortung zu unterstĂŒtzen.

    Ausgangspunkt des Vorhabens sind die absehbaren VerĂ€nderungen der betrieblichen Altersstrukturen. Die Rentensysteme können nicht lĂ€nger die FrĂŒhverrentungsstrategien von Betrieben und BeschĂ€ftigten tragen. Der demographische Wandel, also die Zunahme von Ă€lteren BeschĂ€ftigten im Betrieb und die möglichen Schwierigkeiten, junge NachwuchskrĂ€fte zu rekrutieren, setzt den Arbeits- und Gesundheitsschutz mit neuer Dringlichkeit auf die Tagesordnung der Betriebe. Nur gesunde Mitarbeiter können lĂ€nger arbeiten und nur mit gesunden Mitarbeitern lassen sich in der nahen Zukunft die aus der Globalisierung der Wirtschaft herrĂŒhrenden Anforderungen bewĂ€ltigen.

    Fragestellung
    In den KMU liegt die Verwendung eines Gesundheitskonzeptes nahe, das die Verantwortung des Einzelnen fĂŒr seine Gesundheit und die Verantwortung des Betriebes, dem Einzelnen die VerantwortungsĂŒbernahme fĂŒr seine Gesundheit zu ermöglichen, betont. Salutogenese und PrĂ€vention sind die Kernelemente eines kleinbetriebssensiblen gesundheitspolitischen Ansatzes. Damit bindet das Projekt zwei Konzepte zusammen, die gewöhnlich von unterschiedlichen Akteuren angeboten werden: den verpflichtenden Arbeits- und Gesundheitsschutz durch die staatlichen ArbeitsschutzĂ€mter und die TrĂ€ger der Unfallversicherung sowie die fakultative Gesundheitsförderung durch die Krankenkassen.

    Der innovative Charakter des Vorhabens besteht in der Entwicklung eines strikt bedarfsorientierten und kultursensiblen Interventionstyps unter Einbeziehung der relevanten "Gesundheitsakteure" in einer Region.

    Das Projekt ist in der Region Siegen / Wittgenstein / Olpe gestartet und kooperiert mit dem dort bereits seit ĂŒber 10 Jahre aktiven Runden Tisch Siegen. In einer spĂ€teren Phase sollen auch im Land Brandenburg NetzwerkaktivitĂ€ten laufen.

    Untersuchungsmethoden
    Bei der Formierung des Netzwerks geht es darum, die "Gesundheitsaktivisten" inhaltlich-konzeptionell, strategisch-methodisch sowie auf der operativen Ebene zu unterstĂŒtzen. Ziel ist die Entwicklung einer Beratungsstrategie, die die kulturellen Besonderheiten der klein- und mittelbetrieblichen Welt berĂŒcksichtigt. In einem diskursiven Prozess zwischen dem iso, den Netzwerkakteuren und den Unternehmen soll ein KMU-adĂ€quates und von den Bedarfen der Unternehmen ausgehendes Handlungskonzept einschließlich der dazu nötigen Werkzeuge entwickelt werden.

    Das Konzept wird in zwei Schritten erarbeitet:

    1. Die Bedarfsanalyse erfolgt durch die Reflexion der bisherigen Erfahrungen der Netzwerkakteure im Umgang mit KMU sowie durch Bedarfserhebungen in ausgewÀhlten Unternehmen.

    2. Die Konzepterstellung geschieht durch den Abgleich existierender Konzepte mit den Bedarfen der KMU und durch eine auf die BedĂŒrfnisse kleinerer Betriebe zugeschnittene Neujustierung dieser Konzepte.

    Das iso und die Netzwerkpartner werden in einer Reihe von Betrieben exemplarisch Interventionen durchfĂŒhren und das entwickelte Instrumentarium zum Einsatz bringen.

    DarĂŒber hinaus finden in der Region Siegen eine Reihe von Workshops statt, in denen gemeinsam mit betrieblichen Akteuren erarbeitet werden soll, wie in ihren Betrieben eine alternsgerechte Arbeitswelt geschaffen werden kann.

    Veröffentlichungen: Reindl, Josef; Quoika, Martina; Martolock, Bianca; Kistler, Ernst (2008): Regionale Gesundheitsnetzwerke. Wie man UnterstĂŒtzungsstrukturen fĂŒr kleine und mittlere Unternehmen aufbaut. Berlin.
    Reindl, Josef; Quoika, Martina; Heyer, Andreas; Martolock, Bianca (2008): Fit fĂŒr den demografischen Wandel - Unternehmen mit Netzwerken besser unterstĂŒtzen. Handlungsleitfaden fĂŒr betriebliche und ĂŒberbetriebliche Akteure des Arbeits- und Gesundheitsschutzes. GĂŒtersloh.

    Projektleiter: Josef Reindl